KreBeKi - Stiftung für krebskranke und behinderte Kinder in Bayern

Rat & Hilfe

In dieser Rubrik finden Sie künftig Ratschläge und Hilfestellungen von Experten. Diesmal gibt der Regensburger Physiotherapeut mit osteopathischer Ausbildung Joachim Schmidt einen Einblick in die Grundlagen und Wirkungsweisen der Osteopathie. Mit ihr kann man gerade auch bei der Behandlung von Säuglingen und Kindern gute Ergebnisse erzielen. 

Joachim Schmidt ist Physiotherapeut, Manualtherapeut und Sportphysiotherapeut DOSB, er ist u.a. Sportphysiotherapeut der U21-Fußballnationalmannschaft. Seit 1999 ist er in in der Osteopathie ausgebildet und wurde in das Deutsche Register Osteopathische Medizin (DROM BAO) aufgenommen . Seit März 2010 Mitinhaber der Physiotherapiepraxis corpus care. Von 1990 bis 2010 war er als leitender Physiotherapeut in der Regensburger Praxis Eder/Müller tätig. Verheiratet, zwei Töchter. Der gebürtige Dortmunder lebt seit zwanzig Jahren in Regensburg. Er hat langjährige Erfahrung im Bereich der Kinderosteopathie und bildet sich in diesem Bereich laufend fort. Kontakt: www.corpuscare.de 

Osteopathie ist die Medizin der Bewegung. Die Osteopathie wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Amerikaner Dr. Andrew Taylor Still entwickelt. Unzufrieden mit der zur damaligen Zeit betriebenen Heilkunde und über die übertriebenen Medikamentenverordnungen, Aderlässe und andere Methoden der Ärzte, entwickelte er ein neues, ganzheitliches medizinisches System, das er Osteopathie nannte und mit dem er ohne Medikamente und Operationen behandeln konnte. Wörtlich übersetzt heißt Osteopathie “ krankhafte Veränderung des Knochens. Still wählte diesen Namen für sein Therapiekonzept, da er mit seinen Forschungen am Knochen begann und versuchte, zunächst das knöcherne Skelett zu normalisieren. So verband er die Begriffe für Knochen (Osteo) mit für Leiden (Pathos) und hatte als Ergebnis Osteopathie . Er hatte erkannt, dass alle Erkrankungen des Menschen damit in Zusammenhang stehen, dass die Beweglichkeit und Struktur seiner Muskeln, Gelenke und Bänder beeinträchtigt sind. Diese Beeinträchtigungen bedingen offensichtlich eine verminderte Funktionsfähigkeit seiner inneren Organe. Die Osteopathie sucht nun mit verschiedenen Methoden diese Beeinträchtigungen und versucht, diese sanft zu korrigieren. Wenn dem Therapeuten dies gelingt, dann laufen die Funktionen wieder normal und die Selbstheilkräfte des Menschen werden wirksam und er kann wieder gesunden. Besonders gut lassen sich Säuglinge und Kinder mit osteopathischen Methoden behandeln.

Um die Funktionen wieder zu normalisieren wendet der Osteopath eine Vielfalt an „Techniken“ an, angepasst an die Vielzahl der Ursachen, die ein solcher Bewegungsverlust haben kann, wie z.B. Brüche, Verstauchungen, Entzündungen, Verklebungen, Narben, Fehlbelastungen, psychische und soziale Einflüsse, aber auch Ernährungs - und Lebensgewohnheiten. Die Osteopathie betrachtet die Ganzheit des Menschen in ihrer somato- viszeral - psychischen Einheit und Wirkungsweise.

In der Osteopathie unterscheidet man drei Behandlungsbereiche, die den von Still entwickelten Prinzipien folgen: die sogenannte parietale Osteopathie zur Behandlung des Muskel-Gelenk-Systems, die viszerale Osteopathie, die sich der Behandlung der inneren Organe widmet und die cranio-sacrale Osteopathie zur Behandlung des zentralen Steuerungssystems des Körpers, des Gehirns, und der Strukturen, die es umgeben. Die Osteopathie folgt dabei den Prinzipien angewandter Anatomie, Physiologie und Pathologie.

Die Osteopathie umfasst spezielle manuelle Diagnose - und Therapiemethoden, mit dem Schwerpunkt auf den strukturellen Beziehungen und Wechselwirkungen der verschiedenen Gewebe. Das Ziel einer osteopathischen Behandlung ist die Erhöhung der individuellen Lebensqualität des Patienten über die Verbesserung des strukturellen und dynamischen Gleichgewichts in seinem Körpersystem. Die osteopathische Medizin ist bestrebt, im Körper alle Ressourcen freizusetzen und sich entwickeln zu lassen, die die Grundlage bilden für seine Wiederherstellung und seine Widerstandsfähigkeit gegenüber krankhaften Einflüssen. Im Heilungsprozess ist der Patient mit aufgefordert, die Bedingungen zu erkennen und in sein Leben zu integrieren, die ein normales Wirken seiner eigenen biologischen Kreislaufprozesse und seiner Selbstheilungskräfte ermöglichen. Dies sind z.B. Ernährung, Stress, Bewegung oder Sinnfindung etc..

Eine osteopathische Behandlung  versucht also Beziehungen zwischen Strukturen zu erkennen, um diese dann gegebenenfalls zu normalisieren, damit sich wieder eine „normale“ Körperfunktion einstellen kann. Dabei wird der Patient nicht durch den Behandler geheilt , sondern es ist vielmehr der Organismus, der durch die Impulse der osteopathischen Behandlung zu einer Selbstkorrektur geführt wird und die Natur, die in die Lage versetzt wird, den erkrankten Teil zu heilen.

Das Ziel der Behandlung ist es, ursächliche Krankheitsfaktoren aufzulösen oder abzuschwächen, freie Beweglichkeit der Gelenke und Faszien wieder einzurichten , die Austauschprozesse der gesamten Körperflüssigkeiten zu normalisieren , die bioelektrischen Phänomene zu koordinieren, das autonome Nervensystem auszugleichen , die Harmonisierung der Körperstatik, die Auflösung organischer Störungen , die Unterstützung und Regulierung der ernährenden Körperelemente, die Vertiefung der Atmung, Entspannung . Dies alles, um die Widerstandskraft des Körpers zu stärken und ihn zu ermutigen, seine eigene selbstregulative Tätigkeit wieder zu übernehmen, um sich selbst zu heilen.

Dies gelingt besonders gut bei Kindern, denn sie  reagieren sehr sensibel auf Störsignale ihres Körpers. Ihre Körperfunktionen können z.B. durch Schwangerschaftsprobleme, eine schwere oder lange Geburt, bei der es u.U. Druckeinwirkungen auf den Schädel oder den Körper gab, durch eine Kaiserschnittgeburt, einen Sturz oder Infektionen und Operationen entstehen. Säuglingen reagieren häufig mit vegetativen Störungen, wie etwa Blähungen, Erbrechen, Verstopfung, Unruhe bis hin zu Schlafstörungen, Haltungsauffälligkeiten oder Probleme in ihrer motorischen Entwicklung. Bei Kleinkindern können sich motorische und sprachliche Entwicklungsstörungen, Infektanfälligkeit, Koordinationsstörungen oder Hyperaktivität zeigen. Wird das Kind älter können Haltungsprobleme, Kopfschmerzen, Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsstörungen oder Lernprobleme auftreten.

Da der Osteopath nach der ursächlichen Problematik sucht und dann mit sanften manuellen Techniken versucht, diese zu lösen, sind gerade Kinder mit ihrer Sensibilität sehr empfänglich für die Impulse der osteopathischen Behandlung und integrieren Veränderungen schnell in ihre normale Entwicklung. Je früher störende Signale beseitigt werden, umso leichter und schneller kann das Kind zu einer normalen Entwicklung finden.

Bei Säuglingen und Kleinkindern gibt es viele Behandlungsmöglichkeiten, etwa dann, wenn es durch funktionelle Störungen am Übergang von Magen zur Speiseröhre zu einem Reflux kommt, d.h. wenn der anverdaute Speisebrei wieder in die Speiseröhre zurück fließt. Reflux ist nach Ansicht von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten die häufigste Ursache für entzündliche Prozesse im HNO-Bereich. Besonders bei Kindern ist eine Refluxerkrankung nicht selten die Basis für Atemwegerkrankungen. Ist nach der Geburt der gastro-ösophagale Übergang noch physiologisch offen, muss er sich verschließen, sobald das Kind in eine zunehmend aufgerichtete Haltung kommt. Eine groß angelegten Studie mit über 9000 Kinder fand heraus, dass bei Kindern mit gastro-ösophagalen Refux Nasennebenhöhlenentzündungen um fast das Vierfache, Kehlkopfentzündungen um mehr als das Dreifache, Asthma um das Doppelte und Ausweitungen der Bronchien sich gar um das Zehnfache im Vergleich zu Kindern ohne Reflex erhöht.

Mit Osteophathie kann man aber auch bei einigen anderen Problemstellungen bei Kindern und Säuglingen beachtliche Behandlungserfolge erreichen, so etwa beim Kiss-Syndrom, der Kopfgelenk-Induzierten-Symetrie-Störung, bei ADHS oder ADS, aber auch beim Schielen oder Schlaflosigkeit, bei unerklärlichem Weinen und Schreien, bei Wirbelsäulenasymetrien, Bissanomalien oder Kiefergelenksstörungen oder eben auch bei vielen HNO-Erkrankungen, Blasenproblemen, Bettnässen, Kopfschmerzen und Migräne.

In Deutschland ist die Osteopathie in der Schulmedizin allerdings umstritten und wird auch nicht von Krankenkassen anerkannt und unterstützt. Die Behandlungserfolge jedoch sprechen ihre eigene Sprache. 

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