KreBeKi - Stiftung für krebskranke und behinderte Kinder in Bayern

Rat & Hilfe

In dieser Rubrik finden Sie künftig Ratschläge und Hilfestellungen von Experten. Heute gibt der Regensburger Psychologe Gerhard Hecht Hinweise zum Umgang mit Krankheit und Trauer.

Gerhard Hecht ist Diplompsychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor BDP und Gestalttherapeut DVG, Coach DGfC, seit 1985 Ausbilder in verschiedenen Projekten und Leiter der "arbeitsgruppe kunsttherapie". Gebürtiger Regensburger. Verheiratet, zwei Söhne. Nach Ausbildungen in verschiedenen Verfahren der humanistischen Psychotherapie, inzwischen mehr als dreißigjährige Erfahrungen in der Arbeit mit Einzelnen, Gruppen, Paaren und Organisationen. Langjährige Erfahrungen mit kreativen Methoden. Kontakt: www.ag-kunsttherapie.de
 

Nicht jeder Krebspatient und Familienangehörige wünscht eine psychologische Beratung. Viele Betroffene nehmen jedoch eine Hilfestellung im Umgang mit Krankheit, Behinderung und Trauer dankbar an. Wir haben den Regensburger Psychologen Gerhard Hecht dafür gewinnen können, sich Gedanken zum Thema Krankheit und Trauer  zu machen. Er hat in seiner Beratungspraxis häufig damit zu tun, dass ihn Patienten fragen, wie sie mit Schicksalsschlägen umgehen sollen. Er schildert das Beispiel einer Mutter mit zwei Kindern, die tief betroffen davon ist, dass ihre beste Freundin eines ihrer Kinder vermutlich bald durch Krebs verlieren wird. Bisher hatte sie versucht, der Freundin dabei zu helfen, den Kampf gegen den Krebs zu bestehen. Doch bald, so vermutet sie, wird sie ihr helfen müssen, den Tod ihres Kindes zu bewältigen. Dabei weiß sie selbst nicht, wie sie als Nicht-Betroffene den Schicksalsschlag ertragen kann und wie sie Trost finden kann.

Wie kann man den drohenden Tod eines Kindes aushalten, wie findet man Trost?

Als Vater schaudert es mich selbst bei dem Gedanken. Und doch weiß ich, dass keiner vor einer solchen Situation gefeit ist. Morgen könnte es auch bei uns so sein und ich weiß auch nicht, ob ich es ertragen könnte. Ich verstehe die Hilf- und Trostlosigkeit sehr gut. Es gibt keine einfache Antwort. Aber ich versuche, ein wenig auszuholen.

Ein Kind zu verlieren gehört sicher zu den erschütterndsten Erfahrungen, die man als Erwachsener machen kann und die Psyche versucht verzweifelt, damit fertigzuwerden. Dabei gibt es bestimmte Stufen der psychischen Verarbeitung von Ereignissen dieser „Größenordnung“, die inzwischen recht gut bekannt sind und deren Benennung oft alleine schon beruhigend wirken kann.

Zuerst also versucht die Psyche das Ereignis meistens durch Verleugnung abzuwehren. Man schiebt es weg und klammert sich an den Gedanken, dass „es da doch was dagegen geben wird, bei den heutigen medizinischen Fortschritten...“. Man macht einfach weiter, sagt sich „das wird schon“ und wartet erstmals ab „was die Ärzte sagen, was bei den Untersuchungen herauskommt und ob die Diagnose wirklich stimmt“. Das kann eine ganze Weile so gehen und manche Menschen kommen bis fast ganz zuletzt kaum über dieses Stadium hinaus. Man könnte sie die „Endsieggläubigen“ nennen und es ist schwer bis unmöglich sie aus ihrer Blindheit herauszubekommen.

Gelingt es den Betroffenen aber, die Möglichkeit des Ungeheuerlichen etwas mehr zuzulassen, dann kommt oft ein aggressives Aufbäumen und ein Kampf mit allen Mitteln. Man versammelt alle Kräfte in der Informationssuche, nimmt alle möglichen Behandlungen - klassische und exotische - in Kauf, scheut keine Kosten und ist eigentlich zu allem entschlossen – außer zum Aufgeben!

In dieser Phase erschöpft man sich üblicherweise irgendwann. Doch solange sie dauert, kann auch kaum jemand eingreifen. Es wirkt oft so, als müsste sich das zornige Aufbäumen gegen das Unfassbare erst einmal erschöpfen bis die nächste Phase beginnen kann.

Diese nächste Phase nennt man Phase der Niedergeschlagenheit und der Depression. Sie ist gekennzeichnet durch das Aufgeben des Kampfes und das tatenlose Zusehen dabei, wie Erschöpfung und Niederlage unerbittlich ihren Platz einnehmen. Das hört sich erst einmal schlimm an, es ist aber ein Fortschritt. Wenn man nicht in dieser Phase hängenbleibt, dann ist man jetzt bereit, das Unausweichliche anzunehmen. Jetzt kann man es auch ohne zu zerbrechen annehmen, vorausgesetzt, man hat die vorausgehenden Phasen durchgemacht. Und man kann unaufgeregt das Nötige tun und das Unnötige lassen. Man hat sich gefasst und ist, soweit es geht, souverän geworden.
Soweit die Theorie der „Verarbeitung von Härten“. In der Wirklichkeit hilft sie (wie alle Theorien) nur begrenzt und so stehen wir wieder vor der Eingangsfrage: Wie kann man den drohenden Tod eines Kindes aushalten, wie findet man Trost?

Als erstes denke ich da an die Frage, die sich die meisten Menschen stellen, wenn sie ein Leid trifft: Warum ich? Warum hat es mich getroffen und nicht jemand anderen? Diese Frage ist verständlich und aufgrund der Hartnäckigkeit in der sie oft gestellt wird scheint sie ein Trostpotential zu haben. Ja - sie hat eines. Nicht in ihrer Beantwortung (weil die Antwort meistens klar ist) sondern solange sie gestellt wird. Solange diese Frage gestellt wird hat man noch die Chance, etwas herauszufinden. Man hat die Chance irgendeine Idee von Mitverursachung herauszufinden. Man wäre viel lieber schuld an etwas, als hilflos einem grausamen Zufall ausgeliefert zu sein. Und so konstruiert man eine Theorie nach der anderen, kramt in seinem Gedächtnis, ob man etwas getan oder unterlassen hat, was in letzter Konsequenz zur Erkrankung des Kindes geführt hat. Die Ernährung, die Erdstrahlen im Schlafzimmer, die alte Holzdecke und vielleicht auch die Nichtberücksichtigung astrologischer Prinzipien. Vielleicht das fehlende Chi oder die übertriebene Leistungsorientierung in der Schule. Irgendein Schuldiger, irgendeine böse Tat, ein Versäumnis wird sich finden - nur nicht einfach ein grausamer, unverständlicher Zufall.

Und doch liegt meist gerade darin der beste Trost. Im Akzeptieren, dass einfach eine grausame Laune der Natur jetzt gerade mich und mein Kind getroffen hat und dass all das keinen Sinn hat, auch nicht den allerkleinsten. Und dass weder ich noch mein Kind etwas Falsches oder Böses getan haben. Dass das Unglück einfach geschieht und dass es dauernd geschehen kann, und dass wir nichts, aber auch gar nichts dagegen tun können. Wir können nichts dagegen tun, außer aufgeben. Und genau dabei brauchen wir alle die meiste Hilfe. Deswegen ist vermutlich das Beten erfunden worden. Damit wir üben, die Dinge aus der Hand zu geben. Nur - irgendein Gebet von der Stange, an einen Adressaten von der Stange, möchte ich hier natürlich nicht empfehlen. Wenn der Freundin wirklich geholfen werden soll, dann empfehle ich gemeinsam ein Gebet für sie ganz persönlich zusammen zu stellen. An wen auch immer es adressiert ist. Und trimmen sie ihr kleines Kunstwerk dann so lange durch lautes Aussprechen bis es tröstliche Gefühle auslöst. Gefühle von Einverstanden sein und tapferer Annahme. Gefühle von echtem Frieden und Ruhe. Solange bis sie beide wirklich die richtigen Worte gefunden haben. Und benützen sie dann dieses Gebet und entwickeln sie es weiter, jedes Mal, wenn sie es beten. Versuchen sie die verschiedensten Adressaten und arbeiten sie weiter daran. Jeden Tag. Solange sie es brauchen.

Samstag, 29.9.2018, 14 – 16 Uhr

Inklusiver Workshop für Kinder mit und ohne Handicap ab 7 Jahren: Punkt für Punkt – Ganz schön bunt! Technik: Malen und Drucken. Leitung: Isabell Stein M.A., Sonja Konen M.A., Museumspädagoginnen

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