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Rat & Hilfe

In dieser Rubrik finden Sie Ratschläge und Hilfestellungen von Experten. Aktuell erfahren Sie, was wir - nach Tobias Esch, Professor für Integrative Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg und Wissenschaftsbeirat des Institut für Mind-Body-Medizin in Potsdam (IMBM) - tun können, um glücklich zu sein. Tobias Esch erklärt die Neurobiologie des Glücks und zeigt auf, wie die Positive Psychologie seiner Meinung nach die Medizin verändert.

Professor Dr. Tobias Esch beschäftigt sich als Arzt, Gesundheits- und Neurowissenschaftler mit Gesundheitsförderung, Salutogenese, Stressmanagement, Neurobiologie und Positiver Psychologie. Er studierte Medizin in Göttingen, Lüneburg, Aarau (Schweiz) und Penang (Malaysia) und schloss die Ausbildung mit der Promotion im Bereich der experimentellen Stress- und Gesundheitsforschung ab. Weiterbildungen und Forschungstätigkeiten führten ihn unter anderem an die Universitäten von Witten-Herdecke (Neurologie), Duisburg-Essen (Innere Medizin), an die Harvard Medical School (Innere Medizin, Verhaltensmedizin, Stressforschung) sowie die Berliner Charité, wo er als Facharzt für Allgemeinmedizin, Arzt für Naturheilverfahren und Wissenschaftler mit den Schwerpunkten Stress, Stressmanagement sowie Prävention und Salutogenese tätig war.

Heute lehrt er an der Hochschule Coburg Integrative Gesundheitsförderung. Am Institut für Mind-Body-Medizin in Potsdam (IMBM) ist er als Vorsitzender des Wissenschaftsbeirats tätig. Zudem arbeitet er als assoziierter Wissenschaftler am Neuroscience Research Institute der State University of New York, wo er in einem neurowissenschaftlichen Forscherteam untersucht, wie sich gesundheitsförderliches Verhalten auf neurobiologischer Ebene erklären und positiv beeinflussen lässt. Gleichzeitig praktiziert er als Facharzt für Allgemeinmedizin mit den Schwerpunkten Integrative Medizin und Stressbewältigung.



Manchmal gibt es ganz einfache, aber sehr schöne Nachrichten. Eine davon ist von Tobias Esch. Er sagt: Glücklichsein lässt sich trainieren. Davon ist Tobias Esch überzeugt. Denn Glück entsteht durch einen Hormoncocktail im Kopf. Und dessen Zusammensetzung kann man selbst beeinflussen. 50 – 10 – 40, so lauten die Maßzahlen unseres Glücks. Soll heißen: Unsere Fähigkeit, glücklich zu sein, ist etwa zur Hälfte angeboren, also in der genetisch festgelegten Struktur unseres Gehirns begründet. Nur etwa zehn Prozent hängen von den äußeren Umständen ab, vom Zufall, von dem, was um uns herum passiert. Und die restlichen 40 Prozent, so schätzen Glücksforscher wie der Neurowissenschaftler Tobias Esch, gehen auf unser eigenes Konto. Zu 40 Prozent also können wir selbst aktiv werden und unser Glück beeinflussen. Es scheint, als wäre was dran an der alten Weisheit „Ein jeder ist seines Glückes Schmied“.

Wie man sein Glück selbst beeinflussen kann, beschreibt Esch auf der Grundlage aktueller Erkenntnisse aus Neurobiologie, Hirnforschung und Positiver Psychologie in seinem Buch „Die Neurobiologie des Glücks. Wie die Positive Psychologie die Medizin verändert“, das Ende 2011 erschienen ist (Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 34,99 Euro).

„Open your mind“ steht als Graffiti auf einer Wand, die das Titelblatt seines Buches ziert. Damit spielt Professor Esch, der an der Hochschule Coburg Integrative Gesundheitsförderung lehrt und am Institut für Mind-Body-Medizin in Potsdam (IMBM) tätig ist, auf seine Botschaft an, Glück entstehe - vereinfacht gesagt - im Gehirn. Man muss nur offen genug dafür sein. Ein uns innewohnendes Belohnungssystem, das Glücks-Botenstoffe wie Dopamin, körpereigenes Morphium, Serotonin oder Oxytocin ausschüttet, sorgt nämlich für die begehrte wohlige Glücks-Empfindung.

Forschungen belegen, so Esch, dass glückliche Menschen länger leben, seltener und weniger schwer krank werden und auch schneller wieder gesunden. Wenn wir glücklich sind, haben wir weniger Stresshormone im Blut und zum Beispiel ein deutlich geringeres Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen. Es lohnt sich also, das körpereigene Belohnungssystem zu aktivieren, denn die Auswirkungen auf körperliche wie seelische Gesundheit sind ganz unmittelbar.
Wie das geht? „Wir müssen in unserem Gehirn die strukturellen Voraussetzungen dafür schaffen, unser Glücksempfinden aktiv beeinflussen zu können. Außerdem müssen wir die Ausschüttung von Glückshormonen aktiv fördern. Das geht etwa durch positives Denken, durch Genuss oder durch Achtsamkeit“, weiß Esch. Die Botenstoffe lassen dann beispielsweise unser Angstzentrum, die Amygdala, im Hirn schrumpfen, oder regen den Hippocampus, der für unser Stressempfinden zuständig ist, zum Wachsen an.
Das kann ganz einfach sein, man muss sich bisweilen noch nicht mal zu sehr anstrengen, um Glück zu empfinden, weiß Esch, denn „Glück entsteht aus dem (gemeinsamen) Wachsen und ‚Erblühen‘, aber auch aus tiefer Zufriedenheit, Vertrauen und Verbundenheit. Aus Spaß, Ansporn und Leistung, aber auch aus Belohnung und Verdienst. Und auch einfach so.“ Zum Teil sind es nur ganz kleine Übungen oder Veränderungen von Alltagsgewohnheiten, die die Produktion der Glücks-Hormone fördern.

Esch hat dafür ein paar Tipps aus der Positiven Psychologie parat:

  • Drücken Sie Dankbarkeit aus: Wann haben Sie zuletzt jemandem aufrichtig gedankt? Danken tut gut und fühlt sich schön an. Man kann das auch üben, z.B. indem man jeden Tag fünf Dinge in einem Tagebuch notieren, für die man dankbar ist.
  • Ähnlich ist es mit dem Vergeben. Esch sieht in ihm ein besonders kraftvolles Instrument, aber auch ein besonders schwieriges. Vergeben reduziert Stress und Ärger.
  • Laden Sie Ihre eigenen automatischen Gedanken positiv auf. Seien Sie humorvoll und tun Sie bewusst wieder einmal Dinge, die Sie zum Lachen bringen. Fokussieren Sie sich auf das, was in Ihrem Leben klappt, weniger auf das, was nicht gelingt.
  • Stoppen Sie den Strom negativer Gedanken. Setzen Sie Ihre Energien effektiv ein, engagieren Sie sich dort, wo es lohnt, aber zermartern Sie sich nicht den Kopf über Dinge, die Sie nicht ändern können oder wollen.
  • Investieren Sie in gute Beziehungen. Nähren und pflegen Sie insbesondere Ihre engen sozialen Beziehungen. Rufen Sie Freunde an und seien Sie auch selbst mal wieder erreichbar. Manchmal genügt auch nur eine kurze sms.
  • Leben Sie im Moment, d.h. sind Sie ganz anwesend, wenn Sie etwas tun. Sei es beim Essen, beim Sprechen, beim eMail-Schreiben, beim Wäsche aufhängen oder beim Geschirr abtrocknen.
  • Haben Sie Ziele und werden Sie aktiv, um diese zu erreichen. Feiern Sie sie auch, wenn Sie sie dann erreicht haben.
  • Bei so viel geistiger Arbeit: Vergessen Sie darüber nicht Ihren Körper. Regelmäßige Bewegung, mindestens eine halbe Stunde täglich, sollte sein. Am besten Ausdauersport.

Esch gibt in seinem Buch viele Übungshinweise und verfolgt mit ihm einen besonderen Ansatz: Er richtet sich zwar an alle am Glück Interessierten, doch vorrangig hat er Mediziner und Therapeuten im Visier. Sie sollen Tipps bekommen, wie sie ihr eigenes Leben (wieder) in glückliche und zufriedene Bahnen lenken und diese Erfahrung und Grundstimmung auch in ihre berufliche Praxis zum Wohle ihrer Patienten mit einbringen können.

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