
Das Theater war schon einen Monat vorher bis auf den letzten Platz ausverkauft: 600 Neugierige wollten dabei sein, als die 80 Schülerinnen und Schüler der Bischof Wittmann-Schule und des Goethe-Gymnasiums in verschiedenen Formationen auf der großen Bühne des Velodroms tanzen. Sie tanzten im Zeichen des „Engels Nummer 48,“ so der Moderator des Abends, Harry Landauer, Programmchef des Funkhauses Regensburg und Kuratoriumsmitglied von KreBeKi. Engel Nummer 48 ist nach dem Benediktiner Anselm Grün der Engel der Integration. Und um Integration und Inklusion ging es bei dem berührenden Abend.
Unter Leitung der Tänzerin Kilta Rainprechter und des Tanzpädagogen Wolfgang Maas sowie mit Hilfe Evi Federl, Kathrin Schmidt und Sabrina Schmidmeister hatten die Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen seit November intensiv gearbeitet. Erste gemeinsame Proben an einer gemeinsamen Choreographie gab es im Mai. Das Ergebnis der tänzerischen Aktivitäten von Behinderten mit Nicht-Behinderten kam nun zur Aufführung. Farblos, in grau, standen die Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne und tanzten unter dem Motto „All inclusive“ u.a. zu den Rhythmen von „Carmen“ Doch sie waren alles andere als graue Mäuschen. Der Saal vibrierte von kecker Anmache, von Liebe und Leidenschaft, von Hingabe und Zurückweisung rund um Bizets Carmen-Weisen. Im Zentrum stand häufig der kleine Felix in seinem Rollstuhl, der in die beeindruckenden Massenszenen der behinderten und nichtbehinderten Tänzer als Dreh- und Angelpunkt integriert war. Ans Herz gingen vor allen Dingen die Einzel-Tänze ums Werben und das Ringen um Liebe und Zurückweisung. Innige Umarmung, bewegungslos auf der Bühne, nur umgeben von warmem, einhüllendem Licht: Tanz, der die Zuschauer die Luft anhalten ließ.
Und nicht nur das, man bekam auch einen Einblick ins Werden: Eine Filmgruppe des Goethe-Gymnasiums hat die Probenarbeit der beiden Gruppen gefilmt und aus dem gewonnenen Material eine kurze Dokumentation über Tanzen an sich, Tanzen mit und ohne Behinderung und das lustvolle und aufregende Zusammenprallen zweier gar nicht so unterschiedlicher Welten geschaffen. „Tanzen ist Träumen mit den Beinen“, philosophierte einer der Tänzer vom Goethe-Gymnasium im Film und thematisierte damit auch eine der Intentionen des Abends: Der Traum, auf einer großen Bühne vor großem Publikum auftreten zu können, wurde nach langen Probenzeiten wahr.
Zusätzlich zum gemeinsamen Auftritt hatten die BiWis, wie die Schüler der Bischof Wittmann-Schule genannt wurden, und die Goethianer auch je eine eigene Inszenierung. Im „Stier unterm Lehrerpult“ erfasste die 9- bis 17 jährigen BiWis die Hitze eines Stierkampfs In zwei rivalisierenden Gruppen ging es um verschmähte Liebe und echte Gefühle, zauberhaft dargestellt in einem Pas de deux rund um einen Filzblumentopf. Im gemeinsamen „show-down“ trafen stolzen Toreros auf wilde Stiere, feurige Zigeunerinnen, überhebliche Damen und „aufgeblasene Machos. Die Goethianer brachten das Publikum mit „Extra Vakant“ zu tosendem Applaus. Sie überzeugten mit viel Talent und großen Szenen in einem reinen Tanzstück, das sich mit der Leerstelle, dem ungefüllten Raum, verschobenen Begrenzungen und plötzlich auftretenden Ausgrenzungen beschäftigte. Zu zeitgenössischer Musikinterpretation von klassischer Musik bewegten sich die Tänzerinnen und Tänzer improvisierend, mit zeitgenössischem Tanzvokabular sowie im Bewegungsfluss der Kontaktimprovisation.
Neben den Schülerinnen und Schülern begeisterten Alister und Ayumi Noblet vom Ballett-Ensemble des Theaters Regensburg als Überraschungsgäste. Die Profitänzer zeigten ein berührendes Stück über ihren behinderten Bruder und Schwager Kazu Kun. Er kann weder hören noch sehen und kommuniziert nur durch Schriftzeichen, die ihm seine Schwester in die Handfläche kritzelt. Alister Noblet begab sich als Kazu Kun auf eine beeindruckende Reise in die begrenzte und doch spürbar freie Welt des Behinderten. Sein Glück in der intensiven Begegnung mit seiner Schwester Ayumi, aber auch ihre eigene Verzweiflung durch die offensichtlich eingeschränkte Verständigungsmöglichkeit wurden von den Tänzern großartig dargestellt. „Was ist normal?“ fragten die beiden in ihrem Stück. Und diese Frage begleitete die Besucher der KreBeKi-Engel-Gala nach Hause.
Doch vor dem Schluss gab es noch eine Weltpremiere: Die Musiker Markus Engelstädter und Bernd Meyer haben einen Song extra für KreBeKi komponiert. Zur Gala gab es die Uraufführung von „Once in a time“. Engelstädter und fordert darin mit seinen vier Bandmitgliedern auf “ try to make the world a better place” – ganz im Sinne der Bemühungen der Stiftung. Und dazu kamen in einem fulminanten und farbenfrohen Finale noch einmal alle Tänzerinnen und Tänzer auf die Bühne und improvisierten zu Engelstädters KreBeKi-Song.
Gaby Eisenhut, die Vorsitzende der Stiftung freut sich über großzügige Spenden am Rande der Gala, denn „die Stiftung lebt von Spenden und Zustiftungen. Nur durch Spenden können wir weiterhin so umfangreiche und intensive Projekte zur Integration fördern.“ Reißenden Absatz fanden auch die bronzenen KreBeKi-Engel, die in Form eines Handschmeichlers von der Regensburger Künstlerin Andrea Zrenner geschaffen wurden. Sie waren schon vor Ende des Abends ausverkauft. Doch es bleibt ein Trost für die, die zu spät kamen: In der Tourist Info im Alten Rathaus sind sie noch zu haben.
„Mit der Gala“, so Eisenhut, „wollte KreBeKi dem integrativen Gedanken ein Gesicht gegeben und den Teilnehmern der von KreBeKi geförderten Tanz-Workshops eine Bühne bieten, auf der Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam in einer Produktion zeigen konnten, was Integration, was das Miteinander in der Bewegung bewirken kann.“ „Und das ist uns meisterlich gelungen“, resümierte Eisenhut müde vom anstrengenden Tag aber sehr zufrieden in der Nacht nach dem Ende der Gala.
Die „Engel-Gala“ war der bisherige Höhepunkt einer Veranstaltungsreihe, die KreBeKi im Jahr 2008 begonnen hat. Seitdem unterstützt KreBeKi integrative kunst- und tanztherapeutische Kurse an verschiedenen Einrichtungen und Museen in Bayern.
[MEHR BILDER IN UNSERER GALERIE]
LIGA Bank eG
Regensburg
| Ktnr | 134 22 66 |
| BLZ | 750 903 00 |
Vielen Dank für
Ihre Unterstützung!