KreBeKi - Stiftung für krebskranke und behinderte Kinder in Bayern

Laura Summers, Der Tag, an dem wir wegliefen, dtv Verlag

Wer Teenager darauf aufmerksam machen möchte, dass das Leben manchmal ganz schön schwierig, und dass auch ein geistig behindertes Kind ein echter Kumpel sein kann, hat mit „Der Tag, an dem wir wegliefen“ das ideale Geschenk für heranwachsende Leser ab elf Jahren an der Hand.

Die deutsche Übersetzung des englischen Originaltitels verrät (leider) schon sehr viel, von dem, was in Laura Summers dickem Buch passiert. Hätte man den englischen Titel „Desperate measures“ einfach als „Verzweifelte Maßnahmen“ übersetzt, wäre man der Dringlichkeit und Verzweiflung dessen, was den drei Hauptpersonen passiert, eher näher gekommen. Denn das spannende Buch zeigt – aus der Kinderperspektive - ganz genau, dass verzweifelte Augenblicke nach verzweifelten Maßnahmen verlangen. Aus der wechselnden Sicht der vierzehnjährigen Zwillinge Vicky und Rihanna geschrieben, werden wir auf eine unfreiwillige Reise durch Großbritannien mitgenommen. Rihanna, die eine Erzählerin, ist geistig behindert. Ihre Schwester Vicky ist siebenundvierzig und eine halbe Minute älter als sie. Und diese siebenundvierzig und eine halbe Minute machen den großen Unterschied zwischen beiden aus: Vicky ist „normal”, so sieht es jedenfalls ihre Schwester Rihanna, denn Vicky hat ja nur Schuhgröße 38, während Rihanna, bei deren Geburt es Probleme gab, so dass sie nicht genug Luft bekam, „besonders” ist. Sie blieb übrigens in Mammas Bauch stecken, meint sie, weil sie „echt große Füße“ hat, nämlich Größe 41. Vicky, die wie ihre Schwester erst 14 Jahre alt ist, kümmert sich rührend um Rihanna und ihren vier Jahre jüngeren Bruder Jamie. Das ist für ihr Alter natürlich oft zu viel.

Nach dem Tod ihrer Mutter sind die drei gemeinsam bei Pflegeeltern untergebracht. Dort gefällt es ihnen gut, doch genau an ihrem 14. Geburtstag passiert das Unglück. Sie erfahren, dass sie getrennt und einzeln untergebracht werden sollen. Da muss eine schnelle Entscheidung her und die lautet: Wir bleiben zusammen! Das geht aber, so meinen sie, nur, wenn sie gemeinsam türmen. Gesagt, getan. Das Ziel ist ihre alte Großtante, in deren Haus am See sie früher glücklich waren. Wir werden auf den Weg dorthin mitgenommen. Er ist voller Gefahren für die drei Ausbüchser, aber er ist auch voller Abenteuer. Endlich im Haus am See angekommen, müssen die Geschwister nämlich feststellen, dass die alte Dame mittlerweile verstorben ist. Und jetzt? Es wird spannend.

Die Autorin Laura Summers war früher Lehrerin und wurde durch ihr eigenes, behindertes Kind dazu animiert, ein Buch zu schreiben, in dem Behinderung Thema ist.

dtv-Verlag, München, 2011, 14,95 Euro.


13. Dezember 2011 , Birgit Weichmann


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