KreBeKi - Stiftung für krebskranke und behinderte Kinder in Bayern

Fabien Toulmé: Dich hatte ich mir anders vorgestellt…

Ich nehme das Ende einfach mal vorweg: Nein, der Titel ist weder boshaft noch diskriminierend. Fabien Toulmé, der französische Autor und Vater von Julia, ist einfach nur schonungslos offen und ehrlich und dabei sehr direkt. Er erzählt uns in seinem warmherzigen autobiografischen Buch die Geschichte der Geburt und der Diagnose von Trisomie 21 bei seiner Tochter Julia. Dabei lässt er uns an all seinen Ängsten und Gefühlen teilhaben, an seinen vielen Tränen und am langen Prozess des Annehmens und Akzeptierens der Situation. Darum ist der Buchtitel „Dich hatte ich mir anders vorgestellt…“ auch mit Pünktchen versehen. Pünktchen, die Spannung erzeugen - die schließlich aufgelöst wird. Das passiert aber erst, nachdem sich Fabien selbstzweiflerisch fragt, ob er Julia jemals „wie eine Tochter lieben würde“ und wir 185 von 248 Seiten lang mitgefühlt und mitgelitten haben. Da hat sich der Papa dann seiner mit Down-Syndrom geborenen Tochter endlich genähert, seine Gefühlskälte überwunden und sie in sein Herz geschlossen. Er löst die Pünktchen-Spannung auf und ruft der im Kinderbettchen schlafenden Kleinen seine Liebeserklärung zu: „… aber ich bin trotzdem froh, dass Du da bist“.

Schon vor der Geburt seiner zweiten Tochter hat Fabien Angst, dass sie behindert auf die Welt kommen könnte. Er ist geradezu besessen von diesem Gedanken - und wird von seiner Umgebung belächelt. Mit den Mitteln der Grafic Novel, beschreibt er uns in kurzen Texten und liebevoll gezeichneten Bildern seine Stimmungslage. Er schildert, wie die Untersuchungen während der Schwangerschaft dem umzugsbedingten Wechsel vom brasilianischen zum französischen Gesundheitssystem zum Opfer fallen. Einfühlsam lässt Fabien den Leser erfahren, dass er schon als kleiner Junge Berührungsängste mit Menschen mit Down-Syndrom hatte. Sein Problem, eine Beziehung zu seiner Tochter Julia aufzubauen, bettet er in seinen biografischen Hintergrund ein.
Nachdem die Ärzte nach bangem Warten schließlich die Diagnose „Trisomie 21“ gestellt haben, nimmt Fabien uns mit auf den langen Weg von Spezialist zu Spezialist durch medizinische Institutionen. „Willkommen im Handicapland“ überschreibt er die Tour, die einer Achterbahnfahrt der Erfahrungen und Gefühle gleicht. Dabei verliert auch nie die Perspektive seiner Frau Patricia aus den Augen, die ihm viel Raum für seine Annäherung an Julia lässt. Schließlich lädt er uns Leser ein, beim Treffen einer Selbsthilfegruppe dabei zu sein und wir werden Zeugen mehrere sicher typischer Reaktionen von Unbeteiligten auf seine Tochter. Das Buch endet mit einem ungewöhnlichen aber eindeutigen Bekenntnis zu seiner Tochter: „Wir können glücklich sein, dass sie uns ausgesucht hat.“

Ich habe noch nie eine Grafic Novel gelesen. Und ich hatte Bedenken, ob ein solcher Comic-Stil zum Thema Down-Syndrom passen würde. Doch meine Bedenken wegen der Form waren unbegründet. Fabien Toulmé gelingt es auf einfühlsame Weise, seine Gefühle, die Bedenken, die Wut, seinen schmerzhaften Weg von Angst zu Liebe, in liebevolle Bilder zu verpacken, die den Text unterstreichen. Er hat ein ungewöhnliches, bezauberndes und erstaunlich humorvolles Buch geschaffen. Ein Grafic-Novel-Fan werde ich wohl nicht, aber ich gestehe, dass mir die Lektüre Spaß gemacht hat. Eine ausdrückliche Leseempfehlung!

Aus dem Französischen von Annika Wisniewski.
Avant Verlag, Berlin, 2015. 248 Seiten, 24,95 Euro.

22. June 2016 , Birgit Weichmann


Samstag, 8.12.2018, 15 Uhr

Adventskonzert in der Kirche von Klinik St. Hedwig. Der Nikolaus wird allen Kindern ein kleines "Packerl" von KreBeKi überreichen.

Samstag, 15.12.2018, 14-16 Uhr

Inklusive Weihnachtswerkstatt im Kunstforum. Gemeinsam gestalten wir im KOG allerlei Weihnachtliches. Teilnahme kostenlos. Anmeldung erforderlich.

Facebook YouTube

Projekte

Spenden

LIGA Bank eG
Regensburg

IBAN DE08750903000001342266
BIC GENODEF1M05

Vielen Dank für
Ihre Unterstützung!